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Daytimers schreiben Boiler-Room-Geschichte

Foto: Yushy Als die Pandemie uns in enge Räume zwang, fanden wir Wege, mit unseren Liebsten und Kolleg:innen in Kontakt zu bleiben. Die Livebranche war eines der größten Opfer des Lockdowns.

Foto: Yushy

Als die Pandemie uns traf und in enge Räume zwang, fanden wir alle Wege, mit den Menschen, die wir liebten und mit denen wir arbeiteten, in Kontakt zu bleiben. Die Live-Unterhaltungsbranche war eines der größten Opfer des Lockdowns, der ein ganzes Ökosystem von Menschen aus dem Gleichgewicht brachte – von ganz unten bis ganz oben in der Nahrungskette von Live-Events.

Während ein großer Teil der Branche noch immer ums Überleben kämpfte, fanden viele Künstler:innen Wege, mit ihrem Publikum zu interagieren und diese Interaktionen schließlich zu monetarisieren. Sie begannen, Instagram Live, Facebook Live, Twitch, Zoom und alle anderen Plattformen zu nutzen, die ihnen die Möglichkeit boten zu singen, aufzulegen, Witze zu machen oder ihre jeweiligen Talente zu präsentieren.

12 Monate später gilt der virtuelle Ansatz als Zukunft der Live-Unterhaltung. Doch der Ursprung der Live-Setups liegt im Jahr 2010, als Blaise Belville, der Gründer von Boiler Room, einen alten, verstaubten CDJ [CD-Plattenspieler] nahm und begann, seine DJ-Sets über eine Webcam zu übertragen.

11 Jahre später hat Boiler Room über all seine Medienkanäle hinweg 8 Millionen Follower:innen. Mit seiner „Keep it real“-Art, Gigs mit den einzigartigsten Underground-Setups zu veranstalten, hat uns das Format im Laufe der Jahre einige der besten DJ-Sets beschert, die wir gesehen haben.

Boiler Room ist außerdem dafür verantwortlich, die Karrieren einiger der talentiertesten Selector:innen der Welt voranzubringen. Das Konzept inspirierte viele andere Projekte und brachte Mixmags In The Lab und Cercle hervor, die das virtuelle Spiel auf ein völlig neues Level gehoben haben, indem sie kulturelles Erbe und Wahrzeichen in ihre Live-Sets integrieren.

Mit über 8000 Auftritten von mehr als 7000 Künstler:innen in 250 Städten – darunter indische Städte wie Mumbai und Delhi, wo seit der ersten Ausgabe 2016 einige mitreißende Line-ups stattfanden – ist Boiler Room die größte und ambitionierteste virtuelle Party überhaupt. Zurück in seinem Geburtsland, dem Vereinigten Königreich, das eine bedeutende britisch-asiatische beziehungsweise südasiatische Musikszene hat, waren in den vergangenen zehn Jahren weniger als eine Handvoll Künstler:innen für Boiler-Room-Shows gebucht worden. Diese Pause endete in diesem Sommer mit der Übernahme durch Daytimers.

Daytimers ist ein in Großbritannien ansässiges südasiatisches Kollektiv, das an vorderster Front südasiatische Kunst präsentiert und feiert. Der Begriff Daytimers stammt aus einer Zeit, in der britische Asiat:innen aufgrund von Gesetzen, Vorschriften und Sperrstunden tagsüber feierten – Situationen, mit denen ein indisches Kind während seiner Kindheit und Jugend häufig konfrontiert ist.

Vor ihrem Auftritt im Boiler Room hatten sich Daytimers bereits zusammengeschlossen, um Indiens COVID-19-Hilfsmaßnahmen zu unterstützen, nachdem das Land im April 2021 von der zweiten Welle heimgesucht worden war.

Darauf folgte eine Bandcamp-Compilation, bei der das Daytimers-Team mit dem Londoner Magazin für elektronische Musik Stamp The Wax für eine 15-Track-Compilation zusammenarbeitete. Die gesamten Einnahmen gingen direkt an Organisationen wie Hemkunt, Goonj und Citta India.

The Daytimers Takeover war Boiler Rooms erstes Outdoor-Event seit über 16 Monaten, und Yung Singhs Entourage mit SUCHI, Chandé, DJ Gracie T, Saachi und Rohan Rakhit enttäuschte nicht.

Zunächst standen Saachi und Rohan Rakhit für ein B2B im Mittelpunkt und spielten einige dunkle, melodische Tracks von Soichi Terada, Marcellus Wallace und Traumer, bevor sie nahtlos südasiatische Elemente von Ahadadream, Suburb Beat und Panjabi MC einfließen ließen.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=ieMycwV2GPM]

SUCHI, die als Nächste an der Reihe war, führte denselben Beat-Puls fort und begann mit dem Disco Reboot von Runa Lailas Disco Premee. Es folgten zahlreiche Tunes von Rafiki, Monophonik, R.O.S.H und Yourboykiran, bevor sie das Set mit ihrem Breakbeat-Banger „Gula I Deg“ beendete.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=q09eopLZJD4]

Als Gracie T und Chandé die Decks übernahmen, sahen sie aus, als wären sie auf einer Mission. Mit einem energiegeladenen Set voller Breakbeat- und Punjabi-UKG-Tracks sowie unveröffentlichter Musik aus dem Daytimers-Team legten sie den Laden in Schutt und Asche. Die vollständige Tracklist ihres elektrisierenden B2Bs findet ihr auf DJ Gracie Ts Instagram-Seite.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=VSZBRKxQck8]

Yung Singh – der Mann, dem der Abschluss des Takeovers anvertraut worden war – startete bereits mit seinem ersten Tune einen Frontalangriff, indem er ein Mash-up aus Panjabi MCs „Kori“ und Bengas wegweisendem Track „Night“ spielte. Seine Expeditionen setzte er fort, indem er seine Heimat in den Boiler Room brachte und einige kompromisslose Versionen der besten Punjabi-Tracks spielte, verbunden mit bahnbrechenden Remixes, die modernen Breakbeat, UKG und Dubstep miteinander verschmolzen.

Das Sahnehäubchen kam, als Yung Singh sein Set mit dem zeitlosen Punjabi-Song „Kangna Tera Ni“ beendete und die Tanzfläche in die Knie zwang.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=kSpRpBDrIFM]

Einen Monat nachdem The Daytimers das Dach des Boiler Room zum Beben gebracht hatten, werden ihre Sets in Indien von Künstler:innen und Fans weiterhin diskutiert und wiederholt abgespielt. Und es sieht nicht so aus, als würden diese Gespräche in absehbarer Zeit verstummen. Nach diesem historischen Durchbruch können wir kaum erwarten zu sehen, was Daytimers als Nächstes auf die Beine stellen.

Wir wünschen dem New Asian Underground ein herzliches Zindabad

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