Culture Amplified: Hinter FeniFinas Bombabomb-Bewegung
Vor ihrem ersten Bombabomb-Event in Mumbai sprachen wir mit FeniFina über die kulturellen Wurzeln und ihre Vision. Eines ist klar: Seit sie Indien betrat,…
Vor ihrem ersten Bombabomb-Event in Mumbai sprachen wir mit FeniFina darüber, was die Veranstaltung für sie bedeutet, auf welchen kulturellen Wurzeln sie beruht und wie das Publikum ihre Vision erleben und mitgestalten soll.
Eines ist klar, seit FeniFina indischen Boden betreten hat: Sie ist nicht nur eine unglaublich talentierte Künstlerin und Geschmacksgeberin, sondern auch eine geborene Community-Builderin. Von Anfang an hat sie ihre Arbeit durch genreübergreifende Shows, kollektivgetragene Initiativen, Cypher aus der Basis und ihren unermüdlichen Einsatz dafür, andere zu fördern und zugleich ihren eigenen Weg zu gehen, mit einem starken Sinn für Ziel und Zusammenarbeit verbunden. Und das alles in einem unerbittlichen Tempo, ohne Authentizität, Intensität oder die Leidenschaft zu opfern, die sie antreibt.

Ein zähes, halsbrecherisches Tempo aus genreübergreifenden Shows, kollektiven Initiativen und explosiven Cyphers war der Bauplan ihrer bisherigen Arbeit – und jedes Projekt strahlt dieselbe kompromisslose Intensität und Leidenschaft dafür aus, Menschen zusammenzubringen. Nachdem sie das Land mit wegweisenden Events durchquert hat, steht FeniFina nun vor ihrer ambitioniertesten Fusion: Bombabomb, eine seismische Kollision aus Feiern und Erkenntnis, bei der Underground-Energie auf Branchenwissen trifft.
Im Zentrum von Bombabomb steht der richtungsweisende Workshop – eine schnörkellose Masterclass darüber, wie man künstlerisches Schaffen in Selbstbestimmung verwandelt. Von 17 bis 19 Uhr im Khar Social am 11. Mai entschlüsselt IPRS Music das Labyrinth der Tantiemen, damit Künstler:innen endlich verstehen, wie sie sich ihren Anteil sichern. Iridescent Kaleidoscope zeigt derweil, wie man eine Marke aufbaut, die lokal Resonanz erzeugt und global funktioniert. Krantinaari verschiebt das Paradigma vollständig und zeigt, wie sich Kreativität für konkrete Wirkung einsetzen lässt.
Drei glückliche Künstler:innen gewinnen außerdem ein dreimonatiges Mentoring, das ihre Karriere verändern kann – mit Serena Vora vom Branchen-Schwergewicht SOVO Inc. Doch die eigentliche Magie entsteht im Raum selbst, wo jede Begegnung die nächste große Zusammenarbeit anstoßen könnte. Hier bekommt der Underground sein Handbuch.
Vor diesem Hintergrund haben wir mit FeniFina über die Entstehungsgeschichte von Bombabomb gesprochen, darüber, wie das Event zu einem physischen und kulturellen Raum werden soll, in dem Musik, Wissen und Community aufeinandertreffen, über die Botschaft, die sie darin verankert, und darüber, was die Menschen aus diesem mutigen neuen Kapitel ihrer Reise mitnehmen sollen.
TFword: Was hat die Idee hinter Bombabomb ausgelöst? Gab es einen bestimmten Moment oder Einfluss, der alles ins Rollen brachte?
FeniFina: Es begann als Kleidungsmarke, die ich ursprünglich für meine Musikvideos entwickelt hatte – als Möglichkeit, indische Kunsthandwerker:innen zu fördern und lokale Communities zu unterstützen. Statt internationale Marken zu pushen, wollte ich Designs aus der eigenen Region ins Rampenlicht stellen und traditionelle indische Ästhetik mit zeitgenössischen westlichen Stilen verbinden. Das war die ursprüngliche Vision für Bo Bombabomb.
Als ich 2020 Musik veröffentlichte, kam jedoch die Pandemie, und das Projekt musste zurückstehen. 2023/24 wurde mir dann klar, dass Bombabomb mehr sein könnte als nur Mode – es könnte zu einer Bewegung werden.
Damals veranstaltete ich das erste Bombabomb-Event, mit dem Ziel, die Desi-Hip-Hop- und Künstler:innen-Community unter einem Dach zu vereinen. Es ging nicht nur darum, Kreativität zu feiern, sondern auch darum, Musikmanager:innen in den Raum zu holen, Networking-Möglichkeiten zu schaffen und Künstler:innen dabei zu helfen, ihr Handwerk auf sinnvolle Weise weiterzuentwickeln.
TF: Wie bist du bei der Zusammenstellung des Line-ups vorgegangen? Gab es bestimmte Sounds, Stile oder Werte, die dir besonders wichtig waren?
FeniFina: Bei der Zusammenstellung des Bombabomb-Line-ups für Bombay lag mein Hauptaugenmerk auf der Künstler:innenentwicklung – einem Bereich, für den es in der Stadt nicht genug Möglichkeiten gibt. Deshalb habe ich das Event um Workshops herum aufgebaut, die von erfahrenen Branchenleuten geleitet werden und sowohl die kreative als auch die geschäftliche Seite der Musik verstehen.
Ich habe Krantinaari eingeladen, die für ihre internationale Erfahrung mit Musikworkshops bekannt ist, sowie Jessica von Mox Asia – eine ehemalige Redakteurin von Rolling Stone India, die gemeinsam mit Nirmika ihre eigene Kreativagentur gegründet hat. Es hat mich zutiefst inspiriert zu sehen, wie Frauen in meinem Umfeld mutige Schritte gehen und eigene Unternehmen gründen.
Außerdem ist Serena dabei, eine erfahrene Persönlichkeit der Musikbranche, die inzwischen ihre eigene nordamerikanische Kreativagentur führt. Ihr Mann war früher Metas Leiter des Musikgeschäfts in Indien, daher wird ihr Mentoring im Bereich Branding für die teilnehmenden Künstler:innen von unschätzbarem Wert sein. Diese Expert:innen wurden sorgfältig ausgewählt, um aufstrebenden Talenten die Werkzeuge zu geben, mit denen sie ihr Handwerk weiterentwickeln und sich in der Branche zurechtfinden können.
Der Sound, für den wir stehen, wurzelt im Independent-Hip-Hop, verbindet ihn aber mit globalen Einflüssen – vor allem karibischen und Afro-Vibes. Diese Energie aus Toronto ist mein persönlicher Touch und gibt dem Ganzen eine tropische Note. Im Kern geht es jedoch darum, Mumbais lokale Hip-Hop-Szene zu stärken und unsere unabhängige Künstler:innen-Community zu unterstützen.
TF: Du hast einen Workshop als Teil des Events eingeplant. Kannst du die Vision dahinter erläutern und sagen, was die Besucher:innen erwartet?
FeniFina: Die Vision hinter diesem Workshop war einfach: Künstler:innen mit den richtigen Mentor:innen und Ressourcen zusammenzubringen, damit sie ihre Musikkarrieren voranbringen können. Vielen unabhängigen Künstler:innen fehlt der Zugang zu solchen professionellen Netzwerken – oft müssten sie teure Konferenzen besuchen, um eine solche Beratung zu bekommen.
Deshalb ist diese erste Session kostenlos. Es geht darum zu zeigen, dass in unserer Stadt ein echter Bedarf an Künstler:innenentwicklung besteht. Wir behandeln wichtige Themen wie die Registrierung bei IPRS – etwas, dessen Bedeutung für den Erhalt von Tantiemen und den Zugang zu staatlicher Unterstützung viele Künstler:innen nicht kennen. Dass IPRS eine kostenlose Session leitet, bedeutet, dass jede teilnehmende Person mit praktischem Wissen nach Hause gehen kann, um die eigene Arbeit zu schützen und zu monetarisieren.
TF: Mit welchem Erlebnis oder welcher Botschaft sollen die Menschen Bombabomb verlassen?
FeniFina: Ich möchte, dass jede Person Bombabomb mit zwei wichtigen Erkenntnissen verlässt: Erstens, dass sie zu einer echten Community gehört – nicht nur als Künstler:in, sondern als wertgeschätzter Mensch. Zweitens, dass es unsere gemeinsame Verantwortung ist, Wachstumsmöglichkeiten für aufstrebende Talente zu schaffen.
Ich habe in dieser Stadt zu viele begabte Künstler:innen gesehen, die einfach nur die richtige Unterstützung brauchen, um den Durchbruch zu schaffen. Deshalb habe ich diesen Workshop sorgfältig mit Branchenführer:innen zusammengestellt, die echte Impulse für ihre Karrieren geben können.
Neben den praktischen Erkenntnissen möchte ich, dass die Menschen die elektrisierende Energie unserer Szene spüren – und erkennen, dass Künstler:innen in diesem Ökosystem die wahren Wertschöpfer:innen sind. Bei diesem Event geht es darum, diese Erzählung zurückzuerobern und die unverzichtbare Rolle zu feiern, die Künstler:innen bei der Gestaltung von Kultur spielen.
TF: Wie spiegelt Bombabomb deinen persönlichen Geschmack oder deine Philosophie in Bezug auf Musik und Events wider?
FeniFina: Bombabomb ist nicht nur ein Name – Bombabomb bin ich. Es ist ein rohes, energiegeladenes Marathi-Hindi-Wort, das nur in Bombay wirklich Sinn ergibt, einer Stadt des wunderschönen Chaos und der kulturellen Verschmelzung. Als halb Marathi-, halb [andere Ethnie]-stämmige Person, die hier geboren und aufgewachsen ist, lebt dieses Wort in allen drei Sprachen, die ich spreche. Es sind meine Wurzeln.
Aber Bombabomb bedeutet auch Chaos – organisiertes Chaos. Diese Energie bringe ich in den Hip-Hop und die unabhängige Szene. Schau dir das Line-up an: wild, bewusst zusammengestellt und kompromisslos Bombay. Genau wie ich – eine Mischung aus Torontos Coolness und Bombays Feuer. Das ist Bombabomb. Das ist die Bewegung.
TF: Warum sind Events wie Bombabomb deiner Meinung nach für die lokale Musik- und Kreativszene wichtig?
FeniFina: Events wie Bombabomb sind entscheidend – ich glaube nicht, dass derzeit jemand in der Szene Line-ups wie dieses kuratiert. Wir haben die besten DJs der Stadt aus Hip-Hop, elektronischer Musik, UK Garage und darüber hinaus, dazu Afro-, Dancehall- und Reggae-Einflüsse, die sich mit den rohen Grundlagen des Hip-Hop verbinden.
Aber es geht um mehr als nur Sound. Wir zeigen das gesamte Spektrum: Battle-Rapper:innen, aufstrebende Stars wie Yogi und Zedano, King Sinister aus Bangalore und Headliner, die beweisen, dass künstlerisches Können über bloße Bars hinausgeht – denn kommerzieller Erfolg verlangt mehr. Ich hoffe, dass die jüngeren Künstler:innen beim Workshop und in der Cypher diese Lektionen aufnehmen.
Dazu kommen Talente der nächsten Stufe wie Jungle Assembly, die zu den zehn besten Beatboxer:innen weltweit gehören, und Hustles Danish. Jeder Act ist hier, um den Raum unter Strom zu setzen. Das ist ein musikalisches 360-Grad-Erlebnis, bei dem aufstrebende Künstler:innen den Kampf und den Ruhm miterleben.
TF: Wie soll Bombabomb zur kulturellen oder Underground-Szene deiner Stadt beitragen?
FeniFina: Wie ich bereits sagte, ist das Wichtigste, was Bombabomb tut, die Community zusammenzubringen. Es ist eine kulturelle Bewegung. Mein Slogan „Culture Amplified“ bringt den Kern dessen, was ich erreichen möchte, sehr gut auf den Punkt.
Im Januar 2024 habe ich in Toronto etwas Ähnliches gemacht. Dieses Event hat die Sichtweise vieler Veranstalter:innen auf Community-Building verändert. Es ging über den üblichen Hype in den sozialen Medien und die Instagram-Ästhetik hinaus – es ging darum, echte Wirkung und authentische Verbindungen zu schaffen. Bei meinem Event Bombabomb waren Künstler:innen, Musikmanager:innen und A&Rs dabei, darunter Majha, CEO und Gründer von DesiFest, sowie Aman Mattoo, A&R bei Azadi Records. Ich hatte sie eingeladen, Teil der Community zu sein, doch daraus entwickelte sich ganz natürlich etwas Kraftvolles: Sie entdeckten aufstrebende Künstler:innen und knüpften Kontakte. Das war nicht mein Hauptziel, aber genau darin liegt die Schönheit echten Networkings: organische Möglichkeiten.
Meine zentrale Absicht mit Bombabomb Toronto war es, die Community durch bedeutungsvolle Verbindungen zu stärken. Und die Wirkung dieses Events endete nicht dort. Die beteiligten Künstler:innen gründeten anschließend ihr eigenes Kollektiv namens Mach 6ix – eine Gruppe, die inzwischen monatliche Desi-Hip-Hop-Cyphers in Toronto veranstaltet. Dieser Moment half dabei, die Desi-Hip-Hop-Szene über Sprachen und Hintergründe hinweg zu vereinen. Sie wuchs über Punjabi-Rap hinaus und schloss Hindi, Marathi und andere regionale Sprachen ein. Das hat die Underground-Szene in Kanada wirklich elektrisiert.
Jetzt arbeite ich daran, dieselbe Energie und Zielsetzung nach Bombay zu bringen, die Community zu vereinen und Künstler:innen die Werkzeuge zu geben, die sie brauchen, um ihr Handwerk weiterzuentwickeln.
TF: Wie wichtig sind Vielfalt – in Bezug auf Sound, Identität oder Herkunft – für die Gestaltung von Bombabomb?
FeniFina: Vielfalt ist mir definitiv wichtig, auch bei Bombabomb. Da dies mein erstes Event ist, konzentriere ich mich derzeit auf die Künstler:innenentwicklung, möchte aber auch neue Sounds in die Stadt bringen. In Toronto haben wir zum Beispiel Genres wie Reggae, Dancehall und Soca präsentiert – viel Musik mit karibischem Einfluss. Ich weiß, dass die Menschen in Indien Afrobeat und tropische Sounds lieben, daher möchte ich dieselbe lebendige Energie hier zu Bombabomb bringen.
Gleichzeitig bleibt das Event tief in der lokalen Künstler:innen-Community verwurzelt. Die Unterstützung heimischer Talente ist ein zentraler Teil der Vision. Ich möchte lokalen Künstler:innen eine Plattform für Auftritte geben und zugleich A&Rs und Musikmanager:innen die Möglichkeit bieten, aufstrebende Talente der Stadt zu entdecken und kennenzulernen.
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