K-Hand & Paul Johnson: Eine Würdigung
Die vergangenen 16 Monate waren für die Musikwelt unglaublich hart. Nach einem aufreibenden Jahr 2020 verloren wir 2021 Pierce Fulton und Joey Jordison – und dann K-Hand und Paul Johnson.
Die vergangenen 16 Monate waren für die Musikwelt unglaublich hart. Einige der größten Namen haben uns verlassen, ohne ihren Fans die Möglichkeit zu geben, ihnen einen angemessenen Abschied zu bereiten.
Nach einem aufreibenden Jahr 2020 verloren wir im April 2021 das Progressive-House-Ausnahmetalent Pierce Fulton. Es folgte der Tod des legendären Schlagzeugers Joey Jordison, der zu den Gründungsmitgliedern der großartigen US-Heavy-Metal-Band Slipknot gehörte.
Nur eine Woche nachdem Joey Jordison von uns gegangen war, verlor die Dance-Musik innerhalb von weniger als 48 Stunden zwei ihrer größten Techno- und House-Künstler. Am 3. August 2021 wurde bekannt, dass uns die Detroit-House- und -Techno-Legende K-Hand verlassen hatte. Am 4. August 2021 folgte die House-Musik-Legende Paul Johnson. Sie waren Leuchttürme der Genres, mit denen sie verbunden waren, und beide Verluste sind für die House- und Techno-Szene unersetzlich.
K-HAND
Als gebürtige Detroiterin erlernte K-Hand ihr Handwerk, nachdem sie regelmäßig den berühmten Club Paradise Garage in New York besucht und Larry Levan während seiner zehnjährigen Residency dabei beobachtet hatte, wie er die Massen verzauberte. Ihm wird auch zugeschrieben, die Grundlagen für moderne Danceclubs weltweit gelegt zu haben.
Während sie Ende der 80er-Jahre bei einer Telefongesellschaft arbeitete, kaufte Kelli das Equipment, das sie brauchte, um DJ und Produzentin zu werden. Schließlich bekam sie Residencies in Clubs in ganz Detroit und machte sich dort als eine Kraft, mit der zu rechnen war, einen Namen.
1990 gründete sie ihr eigenes Label UK House Records, das später in ‘Acacia Records’ umbenannt wurde. Seitdem veröffentlichte sie sieben Studioalben und zahlreiche EPs auf Labels in Europa und den Vereinigten Staaten. Außerdem war sie die erste Produzentin, die eine elektronische Musikaufnahme veröffentlichte, bevor Techno zu einer globalen Szene wurde.
Damit ebnete sie schwarzen Frauen den Weg in eine von männlichen DJs und Produzenten dominierte Branche. Für ihren Einfluss auf die Techno-Szene wurde sie vom Stadtrat von Detroit offiziell zur “First Lady of Detroit” ernannt.
Mit einer über 30 Jahre umspannenden Karriere und einem enormen Backkatalog inspirierte sie eine Generation von Produzentinnen, indem sie Türen öffnete, von denen diese nie gedacht hätten, dass sie sich für sie öffnen würden. Ihr Vermächtnis wird im Techno und in der Musikkultur als Ganzes weiterleben.
Hier ein kleiner Einblick in die DJ-Sets der legendären Produzentin, als sie ganz in ihrem Element war:
PAUL JOHNSON
Paul Johnson wurde in Chicago geboren und wuchs dort auf. Mit 13 begann er aufzulegen, bevor er sich drei Jahre später ganz in die Welt der Musikproduktion stürzte. Inspiriert von Schwergewichten wie Ron Hardy wurde er zum House-Music-Fan und später, Mitte der 90er-Jahre, zu einer prägenden Figur der zweiten Welle der House-Bewegung.
Nachdem er seine Musik auf House-Labels aus Chicago veröffentlicht hatte, erlangte Paul Johnson mit der Veröffentlichung von ‘Get Get Down’ 1999 weltweite Bekanntheit. Der Track verschwand auch viele Jahre nach seinem Erscheinen nicht aus dem Radio und entwickelte sich zu einem echten Dancefloor-Favoriten. Außerdem war er der erste Künstler, den Daft Punk in ihrem Hit ‘Teachers’ von 2005 namentlich erwähnten.
Trotz der körperlichen Hindernisse, die ihn dazu zwangen, im Rollstuhl aufzulegen, brachte er sieben Alben und mehr als 80 Singles heraus. Paul Johnson war als DJ ein Naturtalent, spielte alles zwischen Chicago House, Deep House, Techno und Disco House und ließ dabei alles mühelos aussehen.
Dieses berühmte Zitat von ihm brachte auf den Punkt, warum er so viele Menschen inspirierte – “Das beschissene Leben, das ich gesundheitlich hatte, war nichts, Mann. Das war nur ein Schatten dessen, was ich gemacht habe. Ich sehe es nicht einmal, niemand sieht es. Es geht nur um die Musik.”
Paul Johnsons kreatives Vermächtnis wird Produzentinnen und Produzenten auch heute und in Zukunft inspirieren. Er wird dafür stehen, es trotz aller Widrigkeiten ganz nach oben zu schaffen.
Die Musik wird nie wieder einen K-Hand und einen Paul Johnson haben.