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Gaysi – ein sicherer LGBTQ+-Ort für queere Menschen in Indien

Gaysi – eine Verbindung aus Gay und Desi (Hindi für Menschen aus Südasien) – ist ein online und offline geschützter Ort für die LGBTQ+-Community in Indien.

Gaysi – eine Verbindung aus Gay und Desi (Hindi für Menschen aus Südasien) – ist ein online und offline geschützter Ort für die LGBTQ+-Community in Indien. Als Online-Plattform, auf der queere Menschen aus Indien ihre Geschichten teilen und ihre Meinung äußern konnten, wandten sich Gaysi oder The Gaysi Family bald auch Offline-Treffen zu – mit ihrem jährlichen Zine Bazaar, Open-Mic-Veranstaltungen, Workshops und Talks sowie Meetups und Bar Nights. „Von queeren Menschen für queere Menschen“, ist Gaysi wohl eine der bekanntesten und einflussreichsten Plattformen der Community in Indien. 

Das Forum besteht seit mehr als einem Jahrzehnt und hat Beitragende aus aller Welt dazu gebracht, über alles und jedes Queere zu schreiben. Ihr Blog umfasst eine Fülle von Artikeln: von Sachtexten über Sexualität und Gender, Rezensionen von LGBTQ+-Büchern, -Serien, -Musik und -Filmen sowie Interviews mit bekannten queeren Persönlichkeiten bis hin zu persönlichen Geschichten aus der Community und einer bunten Mischung aus fiktionalen Erzählungen und Gedichten. Kuratierte Inhalte werden mit beeindruckender visueller Gestaltung und Illustrationen präsentiert – ein einzigartiges Merkmal von Gaysi, das die Wirkung dieser Geschichten verstärkt.

Während Gaysi seine Online-Reichweite weiter ausbaute, stieg die Plattform 2012 mit der Gründung von Dirty Talks – einer Open-Mic-Veranstaltung für die queere Community – auch in die Welt der Offline-Events ein. „Wir haben uns für ein Open-Mic-Event entschieden, weil wir finden, dass es am engsten mit dem Gaysi Blog verbunden ist“, heißt es auf der Website. Im Laufe der Jahre veranstalteten sie erfolgreich zehn Ausgaben von Dirty Talk mit Hunderten Besucher:innen, darunter Ankur Tiwari, Imran Khan, Konkana Sen, Kalki Koechlin und Sorabh Pant.

Bereits 2011 veröffentlichten sie ihr erstes Gaysi Zine – ein selbst herausgegebenes Printmagazin mit einer Sammlung fiktionaler und nicht fiktionaler Geschichten für queere Desis. Als die Zines mit der Veröffentlichung mehrerer Ausgaben an Fahrt gewannen und Themen wie Mythologie in ihrem Zine „For the Love of God“ oder Horror in „NORMAL“ erkundeten, rief Gaysi außerdem den Gaysi Zine Bazaar ins Leben.

Zine Bazaar ist ein Treffpunkt für Kreative und Besucher:innen, die unter einem Dach Kunst und Geschichten entdecken können. Aussteller:innen aus Indien – etablierte ebenso wie neue unabhängige Künstler:innen – zeigen ihre vielfältigen Arbeiten: Comics, erzählerische Illustrationen und Poster. Während des Bazaars können Besucher:innen außerdem an Workshops teilnehmen. Expert:innen aus der Grafik- und Literaturszene leiten die geschlossenen Einzelworkshops. Bisher hat Gaysi drei Ausgaben des Zine Bazaar veranstaltet, zwei in Mumbai und eine in Delhi. 

Neben Dirty Talks und dem Zine Bazaar veranstaltet Gaysi mehrmals im Jahr Bar Nights und Meetups für LGBT-Menschen. Zu Gaysis vielen erinnerungswürdigen Events zählt die 2×2 Bar Night zum ersten Jahrestag der Abschaffung von Paragraf 377 – ein Abend, an den man sich gern erinnert. Dazu kommen After-Pride-Partys oder Veranstaltungen, um Halloween zu feiern. Anfang 2020, im Januar, veranstalteten sie außerdem Flick It! – ein queeres Badmintonturnier in Zusammenarbeit mit Queer Aazadi Maidan – während des Pride-Monats in Mumbai. Hinzu kamen Trivia-Abende, Quizveranstaltungen und Workshops – als fortlaufender Versuch, der marginalisierten LGBTQ+-Community in Indien sichere Räume zu bieten. 

Als die Welt aufgrund der Coronavirus-Pandemie ihre Aktivitäten im Freien vollständig einstellte, gelang es Gaysi dank seiner ursprünglichen Verankerung im Internet, seine Aktivitäten erfolgreich komplett online zu verlagern. Gaysi reagierte schnell, nutzte die Livestream-Funktion von Instagram und startete die Reihe Gaysi Live. Diese wöchentliche Reihe bietet Menschen eine Plattform, um sich über psychische Gesundheit, queere Unternehmen, das Spektrum von Gender und Sexualität sowie Aktivismus und Inklusion zu informieren – moderiert wird sie meist von bekannten Mitgliedern der indischen LGBTQ-Community. Neben den informativen Teilen dieser Livestreams präsentiert Gaysi auch queere Musiker:innen – in der Rubrik „Isolation Chill Session“. Außerdem gibt es Lesungen, Drag-Performances, Songwriting-Tutorials, Diskussionen über queere Literatur mit Autor:innen und vieles mehr!

Das Museum of Queer Swipe Stories wurde in dieser Zeit von Gaysi in Zusammenarbeit mit Tinder (einer globalen Online-Dating-App) ins Leben gerufen. Durch das Sammeln eingereichter Geschichten und Erfahrungen möchte Gaysi mit dieser Initiative Einblicke in queere Liebesgeschichten geben und sie weiter normalisieren.

Im vergangenen Jahr feierte Gaysi gemeinsam mit Freund:innen und Unterstützer:innen seinen elften „Geburtstag“ seit der Gründung. Die Präsenz der Plattform erinnert Menschen, die ihre Identität hinterfragen, eindringlich daran, dass kein Mitglied dieser wachsenden Community sich jemals allein fühlen sollte. Gaysi wird weiterhin ein Ort bleiben, an dem queere Menschen einander begegnen und sich selbst annehmen können.

 

 

 

Beitragsbild via Gaysi.

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