10 zeitlose indische Indie-Hits
Eine Reise durch die Erinnerung zu den prägendsten Songs unabhängiger indischer Bands und Songwriter, die alternative Musik ins Rampenlicht rückten und ihr den Weg in den Mainstream ebneten.
Begeben wir uns auf eine Reise durch die Erinnerung und rufen uns einige der prägendsten Songs unabhängiger indischer Bands und Songwriter ins Gedächtnis. Sie sorgten dafür, dass nicht-kommerzielle oder „alternative“ Musik auffiel und in größerem Maßstab wahrgenommen wurde – und trugen damit dazu bei, dass sie später bei großen öffentlichen Veranstaltungen, Konzerten und TV-Shows und schließlich sogar in der Filmindustrie akzeptiert wurde. Hier sind, ohne besondere Rangfolge, 10 inspirierende, zeitlose indische Indie-Hits, die sich in unsere Ohren und Herzen eingebrannt haben.
Them Clones – My Life
Eine der bemerkenswertesten Alternative-Rock-Bands aus Delhi, Them Clones, gewann bei zahlreichen College-Wettbewerben in und um Delhi mit Coverversionen von Rock- und Grunge-Songs aus den 90ern und machte nebenbei auch selbst einige bemerkenswerte Musik. „My Life“ mit seinem hymnisch-aufmunternden Refrain präsentierte einen völlig neuen Sound einer lokalen Band. Schwere Riffs, offene, laute Drums, ein organisch-roher Garagen-Sound und ein wunderschön harmonierender Refrain, bei dem sich das Publikum die Seele aus dem Leib schrie! Them Clones waren 2005 die „Auserwählten“ bei Channel [V] Launchpad und veröffentlichten 2009 ihr Debütalbum „Love.Hate.Heroes“, auf dem „My Life“ der beliebteste Publikumsliebling war.
Pentagram – Voice
Mit jeder Veröffentlichung loteten Pentagram die Grenzen ihres Sounds weiter aus. Bekannt für musikalische Innovation und ihre ganz eigene Nische mit einem unverwechselbaren, schmutzigen Electro-Rock, gehörten sie zu den Vorreitern unter den indischen Bands. Ihre politisch aufgeladenen Texte, Breakbeat- und manchmal treibenden Drum-Rhythmen, effektgeladenen Gitarren, der Einsatz von Synthesizern und Drumcomputern, wuchtige Bässe und vor allem ihr offensiver Frontmann Vishal Dadlani (heute auch ein bedeutender Bollywood-Musikregisseur), der Melodien wie ein Messer durch Butter modulieren und die für diesen energiegeladenen Act nötige Intensität zuverlässig liefern konnte, machten sie zu einer der führenden indischen Bands. 2005 waren sie die erste indische Band, die beim Glastonbury Festival im Vereinigten Königreich spielte. Der Song „Voice“ vom Album „It’s OK, It’s All Good“ aus dem Jahr 2007 war ein riesiger Hit und wurde bei einem Musikvideowettbewerb von Nokia und VH1 India verwendet. Dafür wurden Handyvideos von Pentagrams Fans aus dem ganzen Land zusammengestellt, die Teil des offiziellen Musikvideos wurden.
Indian Ocean – Bandeh
Eine wegweisende Band in der Geschichte der unabhängigen Musik Indiens, die ihren eigenen Sound erfand, waren Indian Ocean, die 1993 ihr erstes Album veröffentlichten. Für den kontroversen Film „Black Friday“ von Anurag Kashyap wurde die Band gemeinsam mit dem Musikproduzenten K.J. Singh mit dem Soundtrack beauftragt. Der Regisseur suchte nach Musik, die nicht dem gewöhnlichen, typischen Bollywood-Sound Mumbais entsprach. Der Song „Bandeh“ wurde zu einem riesigen Publikumsliebling, und schon bald übertönten die Zuschauer bei jedem Auftritt von Indian Ocean die PA-Anlage, sobald die Band diesen Song anstimmte. Der Song und das gesamte Album erhielten viel Anerkennung von der Kritik: eine kunstvoll gearbeitete Mischung aus klassischer indischer Musik, nahtlos verbunden mit westlichem Jazz und Sufi-Einflüssen – ein Beispiel für Schönheit und Vielfalt, ganz wie der Indische Ozean selbst!
Zero – PSP12
Neben der extrem eingängigen, federnden und funky Basslinie von Bassist Bobby Talwar, die damals fast jeder angehende Bassist unbedingt ausprobieren musste, hatte „PSP12“ von Zero wahrscheinlich den eingängigsten und sprunghaftesten Refrain, den man bis dahin gehört hatte. Zumindest sah man passive Zuhörer im Publikum mit dem Kopf wippen, wann immer der Song bei den zahlreichen Bandwettbewerben, Konzerten und Musikfestivals, bei denen Zero im ganzen Land auftrat, aus den Lautsprechern dröhnte. Außerdem ist es die Band mit den meisten Reunion-Gigs, weil die Leute einfach nicht genug von ihr bekommen. Da sie meistens gemeinsam mit Metal-Bands auf den Line-ups standen, brachte der lebhafte Refrain, der unablässig „standing by, standing by, standing by …“ wiederholt, so manches Mal Metalheads zum Moshen und fand damit auch bei den härtesten Publika des Landes Anklang. Die harmonierenden Vocals des singenden Drummers Sidd Coutto und ein melodisch außergewöhnliches Gitarrensolo des genialen Warren Mendonsa von Blackstratblues sind da nur noch das Sahnehäubchen.
Motherjane – Mindstreet
Als „Mindstreet“ 2008 auf dem Album „Maktub“ erschien, war der Song ein echtes Ausrufezeichen und schuf einen Signature-Sound, den bis heute alle mit Motherjane verbinden. Zum ersten Mal experimentierte jemand mit der Verbindung von Progressive Metal und von karnatischer Musik geprägten Gitarrenlicks. Baiju Dharmajan, der Pionier dieses Stils, inspirierte von diesem Moment an Gitarristen im ganzen Land. Das Album erhielt große Anerkennung von der Kritik und wurde unter anderem vom Magazin Rolling Stone India zum Album des Jahres 2009 gekürt. 2010 erklärte das Rock Street Journal Motherjane zur Band des Jahrzehnts. Später verließ Baiju Dharmajan Motherjane, stellte seinen eigenen Act „Baiju Dharmajan Syndicate“ zusammen und tourte durch Indien, wo er in Pubs und auf Musikfestivals Klassiker wie „Mindstreet“ und weitere Hits spielte, die er während seiner Zeit als Leadgitarrist von Motherjane mitgeschrieben hatte.
Superfuzz – School
Angeführt vom Liebeskind aus dem Geist von Kurt Cobain und einem Electro Harmonix Big Muff-Gitarrenpedal – Sanchal Malhar –, gemeinsam mit dem harmonierenden, groovigen Bassisten Nikhil Rufus Raj und dem hart zuschlagenden Drummer Aditya Paharia, veröffentlichte die explosive dreiköpfige Delhi-Pop-Punk-Band Superfuzz 2020 ihre alte „Superfuzz EP“ erneut. Sie enthielt vier Songs, darunter einen ihrer absoluten Publikumslieblinge: „School“. Eingängige Akkordpassagen, begleitet von melodischen Gitarrenhooks zwischen einer kraftvollen Rhythmusgruppe, und ein poppiger Vocal-Sound mit gelegentlichen intensiven Schreien verliehen Superfuzz ihren unverwechselbaren rohen und zugleich polierten Klang – „School“ ist ein großartiges Beispiel dafür.
Avial – Chekele
Avials Interpretation des Folksongs „Chekele“ erzählt eine berührende Geschichte vom Überleben in schwierigen Zeiten. Thematisch führt der Song zurück in die Zeit des Feudalismus und der Ausbeutung und ist einer von vielen Hits ihres fulminanten, selbstbetitelten Debütalbums, das 2008 erschien. Unter Musikfans und besonders unter Avial-Fans ist die legendäre Besetzung dieses Albums – Sänger Anandraj Benjamin Paul, Bassist Naresh Kamath, Gitarrist Rex Vijayan, Drummer Mithun Puthanveetil sowie der Turntable- und Synth-Spieler und heutige Leadsänger Tony John – bis heute ein beliebtes Gesprächsthema und Anlass für angenehme Nostalgie. Avial durchbrachen wirklich alle Grenzen und bewiesen, dass gute Musik jeden erreicht, ganz gleich, in welcher Sprache sie ausgedrückt wird. Sie gewannen in Indien zahlreiche Fans und spielen noch immer vor großem Publikum in Indien und im Ausland, mit starker Unterstützung der Malayalam-Community in vielen anderen Ländern.
Parikrama – But It Rained
Der Delhi-Rock’n’Roll-Band Parikrama gewidmet, die Entführungen im Kaschmir-Tal in den Jahren 1995 und 1996 thematisiert, veröffentlichte 1996 „But It Rained“. Die emotionale Rockballade wurde sofort zum Publikumsliebling und ist der größte und bekannteste Hit der Band. Im Oktober 2020 veröffentlichte die Band eine Version des Songs mit einem erweiterten Gitarrensolo ihres verstorbenen Gitarristen Sonam Sherpa, der im Februar desselben Jahres starb. Jahrelang war Parikrama für ihre Cover-Sets bekannt und spielte Songs klassischer Rockikonen wie ACDC, Pink Floyd und anderer. „But It Rained“ war eine großartige Ergänzung ihres Live-Sets. Bei riesigen Publika wie dem des ersten Iron-Maiden-Konzerts in Bangalore 2007, bei dem sie als Vorband auftraten, sangen rund 40.000 Menschen mit.
Silk Route – Dooba Dooba
Der heute hochverehrte Bollywood-Sänger Mohit Chauhan begann seine glanzvolle Karriere mit seiner Band Silk Route, die vor allem durch den Song „Dooba Dooba“ von ihrem Album „Boondein“ aus dem Jahr 1998 bekannt wurde. Musiksender wie Channel [V] und MTV spielten das Video häufig, und sowohl die Band als auch Mohit Chauhan als Solokünstler erhielten für diesen Hit großen Zuspruch vom Publikum. Noch heute wird er von vielen College-Bands und Bollywood-Coverbands gespielt. Die Band, die sich Anfang der 2000er auflöste, ließ sich von Sting, Dire Straits und Simon & Garfunkel inspirieren und hatte mit Akustikgitarren, Mundharmonika und Talking Drums stets einen unverwechselbaren Sound, der dem Mix etwas Interessantes hinzufügte.
Split – Holy Ghost Machine Gun
„Holy Ghost Machine Gun“ von Split erschien erstmals auf der EP „P Is For Pig“ von 2010 und wurde für das Longplayer-Album „Counting Perfume“ neu aufgenommen. Der riffgeladene Song voller Power war ein direkter Ruf in den Moshpit. Das Album wurde in den Yashraj Studios aufgenommen und von Zorran Mendonsa produziert, mit dem versierten neuen Drummer Varoon Aiyer, der auf der Platte einen gewaltigen Unterschied machte und die Live-Auftritte der Band straffte, sobald er dazugestoßen war. Ihr letzter bemerkenswerter Auftritt fand 2015 bei den MTV Indies Awkwards im legendären Mumbai-Venue Blue Frog statt. Split war neben Zero eine der wenigen Alternative-Rock-Bands, die die wählerische Mumbai-Metal-Szene für sich gewinnen konnten – ihre Songs und ihre Bühnenperformance waren aggressiv, laut und politisch wie auch alkoholisch aufgeladen und trafen damit einen Nerv!