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Zurück zu den Wurzeln mit DisasZts legendären Mainframe Recordings

Mit DisasZt reisen wir durch die Geschichte und Gegenwart von Drum & Bass und sprechen über seine Echoes-Reihe und Mainframe Recordings.

Wir haben mit der österreichischen Legende DisasZt eine Reise durch die Geschichte von Drum & Bass und seine zeitgenössischen Grenzen unternommen und über seine Echoes-Reihe gesprochen, die einige der herausragenden Veröffentlichungen seines Labels, Mainframe Recordings.

Das Wort „Legende“ wird heutzutage viel zu leichtfertig verwendet und durch die vielen Arten, wie wir es interpretieren, verwässert. Doch hier ist jemand, der diesen Begriff wirklich verkörpert. Wenn man daran beteiligt war, eine Drum-&-Bass-Szene in einem Land aufzubauen, das deutlich kleiner ist als die wichtigsten Märkte des Genres, wenn man jahrelang nach Talenten gesucht, ihnen eine Plattform für Veröffentlichungen gegeben und beobachtet hat, wie sie zu globalen Größen heranwuchsen – dann weiß man, dass man es mit einer echten Legende zu tun hat: mit jemandem, der von der Leidenschaft angetrieben wird, andere zu fördern.

Das geschah über DisasZts Mainframe Recordings, ein Label, das zu einer der wichtigsten Plattformen für die österreichische und die gesamte europäische Drum-&-Bass-Szene geworden ist. Für den Rest der Welt war es maßgeblich daran beteiligt, frühe Veröffentlichungen mehrerer inzwischen großer Künstler auf den Weg zu bringen oder zu unterstützen. Für die Künstler in seinem Land war es jedoch ein ganzes regionales Drum-&-Bass-Ökosystem. Das 2008 gegründete Imprint wurde zu einem entscheidenden Sprungbrett für mitteleuropäische Talente und spielte eine wichtige Rolle dabei, österreichischen Drum & Bass auf die globale Bühne zu bringen.

Eine der größten Leistungen von DisasZt war es, eine professionelle Plattform für österreichische Künstler zu schaffen. Vor Mainframe hatten die meisten Produzenten aus der Region Schwierigkeiten, Veröffentlichungen bei großen britischen Labels unterzubringen. Die direkte Folge war, dass Namen wie Camo & Krooked, Fourward, Dossa & Locuzzed, Phentix, Akov, Alibi, Manta und viele andere eine Heimat fanden, von der aus sie ihre Karrieren weltweit starten konnten. Mainframe half dabei, Wien als ernstzunehmendes Drum-&-Bass-Zentrum in Europa zu etablieren, und gab lokalen Produzenten zugleich eine glaubwürdige internationale Plattform für ihre Musik.

Doch Drum & Bass hat sich im Laufe der Jahre stark verändert, und die moderne Interpretation des Genres unterscheidet sich beinahe radikal von dem Sound, der Ende der 2000er vorherrschte. Deshalb ist es wichtig, einige der bedeutendsten Tunes dieser Zeit erneut aufzusuchen – Tunes, die die Zukunft in vielerlei Hinsicht geprägt haben. Genau das tut DisasZt mit seiner „Echoes“-Reihe. Sie ist eine sorgfältig kuratierte Throwback-Compilation, die einige der prägendsten Veröffentlichungen der Labelgeschichte ins Rampenlicht rückt. „Echoes Volume 7“ kehrt zu herausragenden Momenten zurück, die den unverwechselbaren Mainframe-Sound auf Dancefloors weltweit mitgeprägt haben.

Diese Ausgabe zeigt die Vielfalt und Tiefe des Imprints – von soulig rollenden Tracks bis zu energiegeladenen Festival-Hymnen – und enthält:

DisasZt – „Till the Sun Comes Up“
Wingz – „Mistrust“
DJ Marky – „Electrified“
Tapolsky & Vovking – „Regolith“
Envy – „Cruising“
Hybrid Minds – „Why (Fourward Remix)“
Alibi – „Who Am I“

Die „Echoes“-Reihe richtet sich an langjährige Unterstützer ebenso wie an neue Hörer, die den Katalog gerade erst entdecken. Sie feiert die Entwicklung des Labels, seine internationale Künstlerfamilie und die Tracks, die bei Fans und DJs gleichermaßen weiter nachhallen.

Nach der Veröffentlichung der Compilation „Echoes Volume 7“ haben wir uns mit DisasZt selbst getroffen, um die Compilation, Drum & Bass damals und heute, das Gleichgewicht zwischen Nostalgie und Relevanz bei Mainframe Recordings und das nächste Kapitel von Mainframe zu besprechen.

TFword: „Echoes Volume 7“ wirkt weniger wie eine Compilation als wie ein historisches Dokument. Wann wurde dir klar, dass die Echoes-Reihe als formaler Rückblick existieren musste?
DISASZT:
In dem Moment, als mir auffiel, dass viele jüngere Raver und sogar einige jüngere Produzenten zwar die Energie kannten, aber nicht immer ihre Entwicklungslinie. Sie kannten Mainframe als Marke, als Nächte, als Labelnamen auf Flyern und Line-ups – aber nicht unbedingt als Geschichte mit Kapiteln, Risiken und bestimmten Platten, die für uns den Ausschlag gaben.

Das Echoes-Konzept entstand aus einem sehr menschlichen Bedürfnis: Ich wollte diesen Platten wieder einen angemessenen Rahmen geben. Nicht im Sinne von „Erinnert ihr euch an die guten alten Zeiten?“, sondern im Sinne von „Deshalb sind wir hier“. Es gibt Tracks, die die Identität von Mainframe klanglich und kulturell geprägt haben – Platten, die damals wie ein Statement wirkten. Echoes bedeutet, dass ich diese Statements wieder in den Fokus rücke und sage: Das war wichtig, und es ist immer noch wichtig.

TF: Warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, einige der prägendsten Mainframe-Platten erneut aufzugreifen?
DISASZT:
Weil Drum & Bass gerade eine interessante Phase durchläuft: In der Öffentlichkeit ist das Genre so präsent wie lange nicht mehr, doch die Grundwerte – Community, Soundsystem-Kultur und tiefes musikalisches Handwerk – sind nach wie vor das, was es am Leben hält.

In solchen Momenten ist es wichtig, die Erzählung zu verankern. Wenn eine Szene wächst, kann alles ein wenig „schnell“ werden, und die Menschen vergessen manchmal, worauf sie aufgebaut ist. Echoes Volume 7 erinnert an Geschmack, Richtung und die DNA, mit der wir über die Jahre das Vertrauen unseres Publikums und unserer Künstler gewonnen haben. Es ist auch deshalb der richtige Moment, weil wir inzwischen die Reichweite haben, diese Tunes angemessen neu zu präsentieren – mit Kontext, Kuration und Absicht, statt sie einfach als alte Dateien in einem Backkatalog liegen zu lassen.

TF: Wenn du Tracks wie Wingz’ „Mistrust“ oder DJ Markys „Electrified“ wieder hörst, was bedeuten sie emotional für dich: Erinnerungen, Meilensteine, eingegangene Risiken?
DISASZT:
Ehrlich gesagt: alles davon. Manche Tracks sind wie Fotografien. Man hört nicht nur den Tune, sondern erinnert sich an den Raum, die Gesichter, die Spannung vor dem Drop und den Moment, in dem es funktioniert hat.

Wingz’ „Mistrust“ steht für den Glauben an die dunklere, minimalere, präzisere Seite von Drum & Bass – Musik, die nicht um Aufmerksamkeit bittet, sondern sie einfordert. Der Track erinnert mich daran, den eigenen Instinkten zu vertrauen, wenn die einfache Option etwas Offensichtlicheres gewesen wäre.

DJ Markys „Electrified“ löst ein anderes Gefühl aus: Wärme, Vorwärtsdrang und dieses unverkennbare Gefühl internationaler Verbundenheit. Marky ist einer dieser Künstler, bei denen man nicht nur Produktion hört, sondern auch Herkunft, Musikalität, Freude und Meisterschaft. Platten wie diese mit unserer Geschichte verbunden zu wissen, fühlt sich wie ein Meilenstein an, denn es zeigt, dass Mainframe nicht isoliert gewachsen ist – wir haben uns echten grenzüberschreitenden Respekt verdient.

TF: Wie hältst du beim Kuratieren von etwas wie „Echoes“ die Balance zwischen Nostalgie und Relevanz? Gab es die Versuchung, dich zu stark auf Klassiker zu konzentrieren?
DISASZT:
Diese Versuchung gibt es immer, denn „Klassiker“ sind sicher. Aber Echoes soll nicht sicher sein, sondern präzise.

Die Balance entsteht durch eine einfache Frage: Vermittelt diese Platte gerade jetzt noch etwas? Nicht: „War sie groß?“, sondern: „Sagt sie immer noch Mainframe aus?“ Manche Tracks sind legendär, gehören aber zu einer anderen Geschichte. Für Echoes wähle ich Platten, die sich noch immer wie ein Bauplan anfühlen: Sounddesign, Haltung, Energie, Identität.

Relevanz hängt außerdem nicht nur vom Tempo oder aktuellen Trends ab, sondern von emotionaler Wahrheit. Wenn ein Tune dir immer noch dieses Gefühl gibt – Gänsehaut, Spannung, Erlösung –, dann ist er relevant.

TF: Mainframe hat sich von einer Veranstaltungsreihe zu einem vollständigen Ökosystem aus Label, Events und Künstlerentwicklung entwickelt. Hast du es dir immer so vorgestellt, oder ist es organisch gewachsen?
DISASZT: Die ehrliche Antwort lautet: Es ist organisch gewachsen, aber mit Absicht.

Am Anfang ging es darum, Nächte aufzubauen, die sich für Drum & Bass in Österreich wie ein Zuhause anfühlten. Mit der Zeit bemerkt man Lücken: Man braucht ein Label, um den Sound zu dokumentieren, Künstlerentwicklung, damit der Nachwuchs nicht abreißt, und eine Infrastruktur, damit die Kultur nicht von einem glücklichen Jahr oder einer Hype-Welle abhängt.

Also nein, ich habe mich in den Anfangstagen nicht mit einem „Zehnjahresplan für ein Ökosystem“ hingesetzt. Aber ich hatte eine bestimmte Haltung: Baue etwas, das Trends überlebt. Jeder neue Zweig – Label, Entwicklung, breiteres Programm – entstand aus dieser Haltung.

TF: Du hast in den Bereichen Veranstaltungsstrategie, Programmgestaltung, Künstlermanagement und Clubbesitz gearbeitet. Welche dieser Rollen hat dir am meisten über den langfristigen Aufbau einer Szene beigebracht?
DISASZT:
Clubbesitz und Veranstaltungsprogrammierung haben mir die härteste und wertvollste Lektion beigebracht: Eine Szene entsteht durch Beständigkeit, nicht durch einzelne Momente.

Große Line-ups sind natürlich wichtig, aber langfristiges Vertrauen entsteht, wenn man jedes einzelne Mal die Grundlagen richtig macht: Soundqualität, Atmosphäre, faire Behandlung der Künstler, Respekt vor dem Publikum und keine Kompromisse bei der Identität zugunsten kurzfristiger Erfolge.

Das Künstlermanagement hat mich Empathie gelehrt – zu verstehen, dass Karrieren fragil sind, psychische Gesundheit real ist und nachhaltiges Wachstum wichtiger als schnelle Ausschläge ist.

Die Veranstaltungsstrategie hat mich Geduld gelehrt: Manchmal ist der beste Schritt nicht der lauteste, sondern derjenige, der das Fundament stärkt.

TF: Wie wichtig war internationale Zusammenarbeit für das Wachstum von Mainframe?
DISASZT:
Unverzichtbar. Österreich ist nicht automatisch ein riesiger Markt. Wenn man also etwas mit Gewicht aufbauen will, muss man sich nach außen verbinden, ohne die lokale Seele zu verlieren.

Internationale Zusammenarbeit hat zwei Dinge bewirkt:
1) Sie brachte globale Exzellenz in unsere Räume, hob die Standards und inspirierte lokale Künstler.
2) Sie trieb österreichische Talente nach außen und zeigte, dass unsere Szene keine Randnotiz, sondern ein echter Beitrag ist.

Aber Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn sie echt ist. Es geht nicht darum, „Namen zu importieren“. Es geht darum, Beziehungen aufzubauen, wegen derer Künstler zurückkehren wollen, weil die Kultur authentisch ist.

TF: Du bist seit den frühen 2000ern aktiv. Wie sah die österreichische Szene aus, als du in sie eingestiegen bist?
DISASZT:
Sie war kleiner, fragmentierter und stärker „aus Notwendigkeit underground“. Informationen verbreiteten sich anders. Man hatte nicht sofort Zugang zu allem. Wenn man also eine Platte oder eine Community entdeckte, fühlte es sich wie eine Entdeckung an.

Es gab Hunger. Die Leute gingen voll rein, weil sich die Szene wie ein Geheimnis mit einer Mission anfühlte. Und weil es nicht einfach war, waren die Bindungen stark. Diese Ära hat meine Werte geprägt: Wenn du etwas aufbaust, kannst du dich nicht auf Hype verlassen. Du verlässt dich auf die Menschen, die auftauchen, auch wenn es gerade nicht im Trend liegt.

TF: Du hast dich dagegen gewehrt, Trends hinterherzulaufen. Wie entscheidest du in einer Ära, in der sich DnB ständig verändert, was du aufgreifst und was du ignorierst?
DISASZT:
Ich greife auf, was sich ehrlich anfühlt, und ignoriere, was wie eine Abkürzung wirkt.

Trends sind nicht automatisch schlecht. Manchmal sind sie einfach eine neue Sprache für dieselben Gefühle. Aber ich frage mich: Hat dieser Sound Langlebigkeit, Identität und einen Zweck? Wenn er nur algorithmusfreundlich ist oder darauf ausgelegt, in einem Clip zwölf Sekunden lang seinen Höhepunkt zu erreichen, bin ich vorsichtig. Nicht, weil ich gegen moderne Kultur bin, sondern weil ich versuche, die tiefere Erfahrung zu schützen.

Bei Mainframe ging es immer um Wirkung im Raum. Wenn etwas auf einer großen Anlage funktioniert und zugleich musikalische Integrität besitzt, bin ich offen. Wenn es nur Lärm um der Aufmerksamkeit willen ist, interessiert es mich nicht.

TF: Drum & Bass befindet sich gerade an einem faszinierenden Punkt: kommerziell sichtbar und in seinem Kern doch tief underground. Wie siehst du diese Dualität?
DISASZT:
Ich liebe diese Dualität, wenn wir verantwortungsvoll mit ihr umgehen.

Kommerzielle Sichtbarkeit kann neue Energie, mehr Möglichkeiten für Künstler und eine bessere Infrastruktur bringen. Aber der undergroundige Kern ist der Grund, warum die Musik überhaupt so kraftvoll ist. Wenn wir ihn verlieren, wird Drum & Bass zu einem Produkt und nicht zu einer Kultur.

Ich sehe es also als Balance: Sichtbarkeit sollte eine Tür sein, kein Ersatz. Menschen können durch größere Momente eintreten, sollten aber irgendwann die Tiefe, das Minimale, das Experimentelle, die Community und die Geschichte entdecken.

TF: Österreich ist inzwischen fest auf der globalen Drum-&-Bass-Landkarte verankert. Was macht die Szene dort einzigartig?
DISASZT:
Österreich hat eine ganz besondere Mischung: Präzision und Leidenschaft.

Außerdem gibt es ein starkes Bewusstsein für handwerkliche Qualität. Dadurch wirken unsere Beiträge solide und nicht zufällig.

TF: Wenn du an Mainframe in zehn oder 15 Jahren denkst, wofür soll es stehen?
DISASZT:
Ich möchte, dass es für ein Vermächtnis ohne Stillstand steht.

Eine Plattform, die ihren Werten treu geblieben ist und sich zugleich kontinuierlich weiterentwickelt. Ein Ort, an dem neue Künstler realistisch wachsen können, an dem sich die Community mitverantwortlich fühlt und an dem die Marke weiterhin für Qualität steht – musikalisch und kulturell.

TF: Wenn es bei „Echoes“ um Rückblick geht, worum geht es im nächsten Kapitel?
DISASZT:
Im nächsten Kapitel geht es um Übersetzung: alles, was wir gelernt haben, auf das Kommende anzuwenden.

Echoes bedeutet für mich, zurückzublicken und zu sagen: „Das ist unsere DNA.“ Das nächste Kapitel sagt: „Jetzt gehen wir mit intakter DNA weiter nach vorn.“ Das bedeutet, neue Talente zu unterstützen, zukunftssichere Sounds zu kuratieren und Räume – ganz konkret und kulturell – aufzubauen, in denen Drum & Bass gedeihen kann, ohne sich selbst zu verlieren.

Rückblick ist nur dann wertvoll, wenn daraus Richtung entsteht.

TF: Welchen Rat würdest du jungen Veranstaltern oder Produzenten geben, die versuchen, eine nachhaltige Infrastruktur aufzubauen?
DISASZT:
Baut langsam, ehrlich und mit anderen Menschen. Beständigkeit schlägt Hype. Ein starkes Jahr bedeutet nicht, dass ihr eine Szene aufgebaut habt. Sound und Vibe sind alles. Wenn sich der Raum nicht richtig anfühlt, ist alles andere egal. Behandelt Künstler gut. Euer Ruf verbreitet sich schneller als euer Marketing. Kopiert nicht einfach. Lernt von anderen, aber findet eure Identität. Schafft Community, keine Konsumenten. Wenn Menschen das Gefühl haben, mitzuentscheiden, bleiben sie.

Und vor allem: Tut es, weil ihr es liebt. Die Szene wird euch auf die Probe stellen – finanziell, emotional und logistisch. Liebe ist der einzige Treibstoff, der lange genug reicht, um etwas Echtes zu schaffen.

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